Belastungen

Eine Krebserkrankung stellt eine Belastung für Sie und Ihr Umfeld dar. Die jetzige Situation ist neu und eine Herausforderung. 

Vielleicht ist auch vorher im Beruf, in der Familie, in der Beziehung nicht alles rund gelaufen und Sie waren durch Sorgen und Problemen belastet. Das kann sich durch die Krebserkrankung und die Behandlung unter Umständen noch verstärken. 

Zusätzlich können sich manche Nebenwirkungen von Krankheit und Therapien auch psychisch bemerkbar machen. Menschen reagieren z.B. auf hormonelle Veränderungen mit erhöhter Reizbarkeit, Erschöpfung und Müdigkeit. Schmerzen, verändertes Aussehen oder sexuelle Probleme können ebenfalls psychisch sehr belastend sein. 

Welche Belastungen können entstehen? 

Die menschliche Psyche reagiert auf Belastungen und Stresssituationen mit Symptomen. Wenn Sie jedoch mehr über diese Belastungen wissen, können Sie sich darauf einstellen, was den Umgang mit den Problemen erleichtern kann. 

Im Verlauf der Krankheit kann es Phasen geben, in denen Wut, Neid oder Selbstmitleid aufkommen. An solchen Tagen möchte man sich am liebsten im Bett verkriechen. 

Solche Gefühle gehören zu einer Krebserkrankung – so, wie sie auch sonst ein Teil unseres Lebens sind. Es sind menschliche Reaktionen, die wieder vorbei gehen. 

Einige typische Belastungen, die viele, aber nicht alle Krebserkrankten fordern. Je nach Krankheitsphase fallen diese Belastungen mehr oder weniger ins Gewicht. 

Fatigue

Mögliche Belastungen 

  • Sorgen aufgrund der Bedrohung durch die Krankheit und Angst vor dem möglichen Tod
  • Familiäre Stresssituationen, Reaktionen der Angehörigen, Veränderungen im Familienalltag, Krisen in der Partnerschaft, Veränderung der eigenen Rolle in der Familie
  • Soziale, finanzielle und berufliche Anforderungen
  • Medizinisches Versorgungssystem: Zeitmangel des Behandlungsteams, fehlende Privatsphäre, häufiger Arztwechsel, Wartezeiten z.B. auf Befunde
  • Der Umgang mit körperlichen Symptomen und Folgeproblemen, Schmerzen, Müdigkeit, Verlust der Fruchtbarkeit
  • Veränderungen des Aussehens, Haarausfall, Gewichtsverlust, Gewichtszunahme, Körperveränderungen die die eigene Weiblichkeit oder Männlichkeit betreffen
  • Verlust von Selbstbestimmung und Selbstständigkeit 
  • Belastende Reaktionen aus dem Umfeld

Viele Betroffene können diese Belastungen alleine oder mithilfe Familie und Freunde bewältigen. 

Wenn Sie jedoch das Gefühl haben, dass Ihnen alles über den Kopf wächst und die Schwierigkeiten zu groß werden, holen Sie sich Unterstützung von der Psychoonkologie! 

Unterschiedliche psychische Reaktionen sind normal

Die psychischen Belastungen sind nicht nur von Mensch zu Mensch verschieden, sondern unterscheiden sich auch in den verschiedenen Krankheitsphasen. Wie Ihre persönliche Reaktion auf Krebs ist, ist nicht vorhersehbar. 

Neben persönlichen Erfahrungen, die Sie in der Vergangenheit mit der Bewältigung von Krisen gemacht haben, sind Ihre Reaktionen auch abhängig von Ihrer körperlichen Verfassung, z. B. Schmerzen, Übelkeit etc..

Von den Ereignissen überrollt

Die meisten Menschen reagieren auf eine Krebsdiagnose erschüttert und schockiert. Klare Gedanken zu fassen und dem Arztgespräch ganz zu folgen, fällt vielen schwer. 

Als besonders schwer wird der Zeitraum zwischen Diagnosestellung und Behandlungsbeginn empfunden. Das Warten auf weitere, ungewisse Untersuchungsergebnisse lässt einen großen Spielraum offen, für Mutmaßungen, Hoffnungen und Ängste. 

Das können Sie tun

Es kann hilfreich sein, wenn Sie eine gute Tagesstruktur aufrechterhalten und sich durch Aktivitäten ablenken, z.B. zur gewohnten Zeit einkaufen, kochen, eine Mahlzeit einnehmen oder einen Spaziergang machen. Genauso wie sie das vor der Diagnose gemacht haben. Strukturen helfen auch dabei nicht immer nur an die Krebserkrankung zu denken. 

Wechselbad der Gefühle 

Wenn die Krebsbehandlung endlich beginnt und aktiv etwas gegen Krebs getan wird, ist das oftmals mit dem Gefühl der Erleichterung verbunden. Gleichzeitig sind Unruhe, Reizbarkeit, Energielosigkeit, Müdigkeit und Stimmungsschwankungen neben dem körperlichen Unwohlsein häufige Nebenwirkungen während der Krebstherapie. 

Das können Sie tun

In dieser Zeit sind die Unterstützung durch Familie, Freunde, Kollegen etc. besonders sinnvoll. Es gibt immer auch „gute Tage“ während der Behandlung, an denen Sie  sich wohler fühlen. 

Tanken Sie dabei Kraft und Energie, in der Natur, im Freundeskreis, mit Hobbys und allem was Freude macht. 

„Ich hatte große Angst vor der ersten Chemotherapie. Erst als ich beim ersten Zyklus selbst erlebte, dass ich auch das überstehe, konnte ich Zuversicht in die Behandlung entwickeln.“
(Aussage einer Krebspatientin / jetzt gesund)

Das Loch nach der Behandlung 

Dem Behandlungsende wird mit Freude und Sehnsucht entgegengeblickt. Aber auch in dieser Zeit können Ängste und Zweifel auftreten: „Hat die Behandlung wirklich gewirkt? Bin ich krebsfrei? Konnte man eine weitere Ausbreitung verhindern?“. 

Denken Sie daran, bisher wurde alles Mögliche gegen die Krebserkrankung unternommen. Die regelmäßigen Termine und der Kontakt mit dem Behandlungsteam waren zwar belastend, aber sie gaben auch Sicherheit. Jetzt müssen Sie alleine wieder Vertrauen in Ihrem Körper aufbauen und sich im Alltag erneut zurechtfinden. 

Das können Sie tun

Nun ist es wichtig, den Körper und seine Signale wieder neu deuten zu lernen:

Schmerzen, Herzklopfen oder ein Ziehen im Bauch sind nicht Anzeichen einer erneuten Erkrankung oder eines Rückfalls. Solche Symptome müssen nicht im Zusammenhang mit einer Krebserkrankung stehen. 

Falls der Krebs zurück kommt 

Wenn die Krebserkrankung fortschreitet, kommen unterschiedlichste Gefühle auf: 

  • Enttäuschung bezüglich der ungünstigen Krankheitsentwicklung
  • Ängste in Bezug auf Schmerzen
  • Trauer über den Verlust der freien Lebensgestaltung 
  • Sorgen um die Zukunft von Angehörigen 

Aber auch Neid und Wut, oder das Gefühl der Sinnlosigkeit können sich entwickeln. 

Diese heftigen Reaktionen können es schwierig machen sich auf das Leben einzulassen. In dieser Zeit sind Vertrauenspersonen (Partner, Freunde, Kollegen, aber auch Personen aus dem Behandlungsteam) besonders wichtig. 

„Es war nochmals ganz schlimm für mich, als die Untersuchungen bestätigen, dass ich Metastasen habe. Trotzdem ist mir relativ schnell klar geworden, dass ich mit der Behandlung weitermache. Ich habe noch so viel vor im Leben!
(Aussagen einer Krebspatientin)

Das können Sie tun

Vielleicht hilft es Ihnen, wenn Sie immer wieder klären,

  • was für Sie im Moment wichtig ist
  • wie die nächsten Wochen für Sie sein sollen
  • wo Sie Kraft und Zuversicht, Hoffnung und Freude schöpfen können
  • wo die Energie verloren geht?
  • Kann ich an der derzeitigen Situation etwas ändern?
  • manchmal hilft es auch, wenn gewisse Dinge besprochen und Wünsche aufgeschrieben werden.